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Schule daheim

Dienstag, 14.04.2020, presse, Universität, Studieren, Mitarbeiten

Die Universität Graz beantwortet Fragen zur Corona-Krise #18: Wie lernt man aus der Ferne?

 

Schulen bleiben weiterhin im Fern-Modus, sollen nun aber auch neue Inhalte vermitteln. Schon vor Ostern haben zahlreiche ExpertInnen Alarm geschlagen, dass Kinder ohne Unterstützung oder ausreichende technische Ausstattung auf der Strecke bleiben. Vor allem weniger begabte und jene aus bildungsfernen Schichten würden noch weiter abgeschlagen. Die Erfahrungsberichte von LehrerInnen decken sich mit den Forschungsergebnissen von Manuela Paechter, Professorin für Pädagogische Psychologie an der Universität Graz. Gemeinsam mit Martina Feldhammer hat sie im vergangenen Semester eine wissenschaftliche Studie zum Fernlernen an der Uni durchgeführt, aus der sich auch Ergebnisse für Schulen ableiten lassen.
„Wer nicht über ausreichend Struktur und Selbstdisziplin verfügt und vielleicht auch technisch weniger versiert ist, tut sich schwer, verliert die Motivation und gibt schließlich eventuell sogar ganz auf“, fasst die Forscherin zusammen. Wird auf diese Gruppe ganz besonders Rücksicht genommen, könne der Fern-Unterricht aber gelingen. „Jene Kinder, zu denen die LehrerInnen bisher keinen Kontakt herstellen konnten, sollten persönlich betreut werden“, meint die Forscherin. „Man erreicht sie am besten über die sozialen Kanäle, die sie selbst benutzen – beispielsweise WhatsApp.“
Paechter begrüßt Initiativen, für die Betreuung von SchülerInnen auch Lehramtsstudierende heranzuziehen, da diese derzeit ohnehin keine herkömmlichen Praktika absolvieren können. Benötigt werde in erster Linie Hilfe beim Strukturieren des Materials und beim Zeitmanagement. „Die Betroffenen brauchen eine Person, die sie zum selbstständigen Arbeiten anleitet, dringender als fachliche Unterstützung“, sagt die Forscherin.

Neues Feedback
Aus Erfahrung weiß Paechter, dass Kinder ihre Aufgaben dann besonders erfolgreich erledigen, wenn sie weiterhin persönlichen Kontakt zu ihren LehrerInnen haben, sei es über Online-Sprechstunden oder Video-Einheiten. Wichtig seien in dieser Situation regelmäßige Rückmeldungen zum Arbeitsprozess ergänzend zu einer Beurteilung der Ergebnisse. „,Ich sehe, du hast dich angestrengt‘ oder ,Du hast die richtige Methode angewendet‘ sind wertvolle Hilfen, damit sich die SchülerInnen nicht alleine gelassen fühlen“, so die Expertin. Der Stoff müsse zudem in überschaubare Portionen aufgeteilt werden, zwischen denen genügend Zeit zum Üben bleibt. Immer wieder kleine Anreize, Aufgaben und Hilfestellungen regen zum Weiterarbeiten an.

Es braucht Menschen
Den persönlichen Austausch mit KommilitonInnen und den Lehrpersonen brauchen auch die Studierenden, hat Paechters Studie gezeigt. Der kann beispielsweise über eine Webplattform erfolgen. Ist dies gegeben, können Unterrichtsmaterialien einfach für die selbstständige Erarbeitung ins Netz gestellt werden. Bloße Audio-Files mit der Stimme der Vortragenden werden, wenn sie nicht außerordentlich gut gemacht sind, schnell als langweilig und ermüdend empfunden. Besser kommen kurze Videos an, die auch aktivierende Elemente wie Aufgaben oder Fragen enthalten.
Eine gute Zeiteinteilung und ausreichend Motivation sind auch bei Studierenden das Um und Auf, damit sie mit der Fernlehre zurechtkommen. „Wenn man darauf ausreichend Rücksicht nimmt, wird selbst dieses Semester gut ablaufen“, ist Paechter überzeugt.
An Schule wie Universität müssen immer wieder Aufgaben gestellt und Leistungen eingefordert werden, damit alle am Ball bleiben. Wird das Gehirn nicht trainiert, verlernt es das Lernen. Dann wird es für jene, die jetzt aussteigen, schwer, im kommenden Jahr das Versäumte aufzuholen.

 

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