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Universität Graz Naturwissenschaften Neuigkeiten Auf Wein und Walnuss: Vier eingeschleppte Zikaden-Arten neu im Botanischen Garten entdeckt
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Mittwoch, 29.07.2026

Auf Wein und Walnuss: Vier eingeschleppte Zikaden-Arten neu im Botanischen Garten entdeckt

Nahaufnahme einer Indischen Maskenzikade (Pediopsoides sharmai) auf einem grünen Blatt. Das Insekt ist seitlich abgebildet und hat einen länglichen, braun-gelb gemusterten Körper. Die durchscheinenden Flügel zeigen feine, dunkle Adern. Am Kopf sind mehrere kleine, dunkle Punkte zu erkennen, die Facettenaugen sind rötlich. Die Beine sind dünn und mit kleinen Dornen besetzt. Der Hintergrund ist unscharf und hebt das Insekt deutlich hervor. ©Gernot Kunz
©Gernot Kunz

Die Indische Maskenzikade saugt an Walnuss-Blättern. Sie breitet sich in Europa rasant aus.

Sie sind als blinde Passagiere über den internationalen Warenverkehr nach Europa gereist und erobern nun in rasantem Tempo weite Teile des Kontinents: Immer mehr Insekten aus anderen Teilen der Welt werden hierzulande heimisch. Kürzlich entdeckte der Biologe Gernot Kunz vier in Österreich eingeschleppte Arten erstmals auch im Botanischen Garten der Uni Graz: die Amerikanische Rebzikade (Scaphoideus titanus), die Nordamerikanische Blattzikade (Erasmoneura vulnerata) und die Japanische Rebenblattzikade (Arboridia kakogawana) – alle drei auf Wein spezialisiert – sowie die an Walnuss gebundene Indische Maskenzikade (Pediopsoides sharmai).


Seit 2024 hat der Insekten-Experte Gernot Kunz mit Studierenden im Botanischen Garten der Uni Graz zahlreiche Neozoa – so der Fachbegriff für zugewanderte Tierarten – registriert: 14 verschiedene Zikaden, 12 Pflanzenläuse, neun Schmetterlinge, acht Wanzen, sieben Käfer, jeweils fünf Zweiflügler und Hautflügler, fünf Spinnentiere, vier Schaben, einen Tausendfüßler sowie die Wanderratte. Die jüngsten fand er dieses Jahr im Rahmen einer „Leuchtnacht“ Ende Mai und Ende Juni. Dabei halfen spezielle Lichtfallen. Zusätzlich suchten er und Studierende mit Kopflampen die Vegetation ab. 

Zu den Neulingen im Botanischen Garten zählt die Amerikanische Rebzikade (Scaphoideus titanus). Kunz hatte sie erstmals vor sieben Jahren im Grazer Stadtgebiet identifiziert. Aus der Gegend um Klöch ist sie seit 2004 bekannt. Anfangs nach Südeuropa verschleppt, breitet sie sich immer weiter nach Norden aus. Mittlerweile ist sie für die Winzerbetriebe im südlichen Teil der Steiermark zu einer ernsten Bedrohung geworden. „Durch ihre Saugtätigkeit an Wein, kann sie die Goldgelbe Vergilbung übertragen und so die Rebstöcke zum Absterben bringen. Die Zikade ist jedoch deutlich weiter verbreitet als der Krankheitserreger“, so der Forscher. 

Ebenfalls neu angekommen im Botanischen Garten sind die Nordamerikanische Blattzikade(Erasmoneura vulnerata) und die Japanische Rebenblattzikade (Arboridia kakogawana). „Erasmoneura vulnerata sitzt auf der Oberseite, Arboridia kakogawana auf der Unterseite der Blätter, deren Saft sie saugen. Das führt zu kleinen gelben Flecken, was die Rebstöcke aber nicht gefährdet“, erklärt Kunz. Beide Arten wurden bereits zuvor in der steirischen Landeshauptstadt entdeckt. Die Japanische Rebenblattzikade hat Kunz letztes Jahr in Graz-Puntigam erstmals für Österreich nachgewiesen. 

Die Indische Maskenzikade (Pediopsoides sharmai) interessiert sich nicht für Wein, sondern saugt ausschließlich an Blättern von Walnuss. Auch sie breitet sich rasant aus. 2020 war sie erstmals in Europa in den Niederlanden gesichtet worden. Heuer hat sie Kunz im Botanischen Garten identifiziert, nachdem sie bereits 2024 in Vorarlberg und Graz-Andritz aufgetaucht war. 

„Städte sind Hotspots für über Verkehrswege eingeschleppte Arten, bevor sie sich über das Land ausbreiten. Etwa 75 Prozent der Neozoa, die wir im Botanischen Garten finden, reisen mit dem Pflanzenhandel um die Welt. Nicht verwunderlich, denn es reicht eine Eigelege auf oder in einem Gewächs, um eine Population zu starten“, weiß der Forscher.

Im Rahmen der „City Nature Challenge“ lädt der Wissenschaftler neben Studierenden jedes Jahr auch Naturbegeisterte aus der Bevölkerung ein, Arten im Botanischen Garten zu suchen und zu dokumentieren. Das gesamte Areal spielt eine wichtige Rolle für die Biodiversität: „Bei der Leuchtnacht Ende Mai haben wir über hundert verschiedene Nachtfalter entdeckt. Das ist für das Stadtgebiet eine sehr hohe Zahl“, freut sich Kunz.

 

Wer sich für Artenvielfalt, Lebensräume von Tieren und Pflanzen, Ökologie und Naturschutz interessiert, kann im Biologie-Studium an der Uni Graz fundiertes Wissen erwerben und in Exkursionen Fauna und Flora entdecken.

Nahaufnahme einer Nordamerikanischen Blattzikade (Erasmoneura vulnerata) auf einem grünen Blatt. Das Insekt ist seitlich abgebildet, hat einen länglichen Körper mit gelb-brauner und weißer Musterung sowie durchsichtigen Flügeln mit dunklen Adern. Die Beine sind gelblich und das Blatt im Hintergrund ist unscharf. ©Gernot Kunz
©Gernot Kunz
Nordamerikanische Blattzikade (Erasmoneura vulnerata)
Nahaufnahme einer Japanischen Rebenblattzikade (Arboridia kakogawana) auf einem grünen Blatt. Das Insekt ist länglich, überwiegend gelblich mit durchscheinenden Flügeln und dunklen Punkten am Kopf. Die feinen Beinchen und die Flügeladern sind deutlich zu erkennen, der Hintergrund ist unscharf. ©Gernot Kunz
©Gernot Kunz
Japanische Rebenblattzikade (Arboridia kakogawana)
Nahaufnahme einer Amerikanischen Rebzikade (Scaphoideus titanus) auf einem grünen Blatt. Das Insekt ist seitlich von oben zu sehen, hat einen länglichen, braun-gelb gemusterten Körper mit auffälligen, durchscheinenden Flügeln, die dunkle und helle Flecken sowie schwarze Adern zeigen. Die Beine sind hell und mit kleinen Dornen besetzt, die Facettenaugen sind gelblich. Der Hintergrund ist unscharf und hebt das Insekt deutlich hervor. ©Gernot Kunz
©Gernot Kunz
Die Amerikanische Rebzikade (Scaphoideus titanus) ist zu einer ernsten Bedrohung für den Weinbau im Süden der Steiermark geworden.
Wissenschaftliche Nachtaktion zur Bestimmung von Insekten: Mehrere Personen stehen vor einem großen, weißen Tuch, das im Freien aufgehängt ist. Das Tuch wird von einer hellen Lampe in der Mitte und einer bläulichen Leuchtstoffröhre an der rechten Seite beleuchtet. Die Menschen betrachten das Tuch, einige leuchten mit Taschenlampen oder Handys darauf. Auf dem Tuch sind kleine Insekten zu erkennen, die vom Licht angelockt wurden. Im Vordergrund ist Gras zu sehen, im Hintergrund Metallstreben einer Konstruktion. ©cp-pictures graz
©cp-pictures graz
Bei einer Leuchtnacht im Botanischen Garten fotografieren Studierende die Insekten, die von den Lichtfallen angelockt werden.
Mann mittleren Alters mit dunkelblauem Pullover und Jeans steht im Park vor Bäumen, Hände in den Hosentaschen, sonniges Wetter. ©Uni Graz / wildundwunderbar
©Uni Graz / wildundwunderbar
Gernot Kunz, Insekten-Experte am Institut für Biologie der Universität Graz
Erstellt von Gudrun Pichler

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